| Partizipation heißt, bestehende Miss- und Mangelstände, die das Leben der Gemeinschaft betreffen aufzudecken sowie Entscheidungen, die das Miteinander betreffen zu teilen und gemeinsam nach Lösungen und Alternativen für bestehende Probleme zu suchen und diese in die Tat umzusetzen. Kinder und Jugendliche sind dabei nicht kreativer, demokratischer und offener als Erwachsene, sie sind nur anders, und bringen aus diesem Grunde andere neue Aspekte und Perspektiven in die Entscheidungsprozesse hinein.
Gesetzliche Grundlagen zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen liefern auf UN- Ebene die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen aus dem Jahr (Artikel 12), auf Bundesebene das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) aus dem Jahr 1990 (Artikel 8), auf Landesebenden verschiedenen Landesgesetze - in Hessen die hessische Gemeindeordnung (§ 4c und 8c) und auf kommunaler Ebene verschiedene Grundlagen der Städte und Gemeinden - in Kassel die Regelung für Projektorientierte Kinder- und Jugendbeteiligung aus dem Jahr 1997. Es werden verschiedene Formen der Beteiligung und Methoden zur Beteiligung unterschieden. Eine Klassifikationsmöglichkeit bietet das Deutsche Kinderhilfswerk (Vgl. www.dkhw.de):
In Hessen existieren derzeit zahlreiche Kinder- und Jugendpolitische Interessenvertretungen wie Kinderbüros, Kinderbeauftragte, Kinder- Jugenparlamente, Kinder-und Jugendforen, Kinder- und Jugenbeiräte. Kassel arbeitet mit dem projektorientierten Ansatz der Beteiligung. Derzeit werden ca. 30 Kinder- und Jugendbeteiligungsprojekte durchgeführt. Erfahrungsbericht Beteiligungsprojekt: Spielplatz statt Parkplatz an der Schule Am Wall (Kurzbericht - Stand 08/2000) Seit fast drei Jahren wird ein Parkplatz neben der Schule Am Wall, einer Grundschule in einem sogenannten Brennpunktstadtteil Kassels, im Rahmen eines Beteiligungsprojektes zu einer Spiel- und Aufenthaltsfläche für Kinder, Jugendliche und Erwachsene umgestaltet. Die Ziele des Projektes liegen in erster Linie darin, den "Spielraum" der Kinder zu erweitern, das negative Image des Platzes und seiner Umgebung deutlich zu verbessern und auf diese Weise zu einer Erhöhung der Wohnqualität beizutragen. Der Schule soll zudem eine erweiterte Nutzungsfläche auch innerhalb des Unterrichtzeit verschafft werden. Die Initiative ging von den Kindern der Schule Am Wall und den Anwohnern über ihren Ortsbeirat aus. Die Kinder wünschten sich in einem Weihnachtswunsch-Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Kassel im Dezember 1997 einen neuen Spielplatz auf dem Parkplatz neben ihrer Schule. Im folgenden Jahr wurde die Idee zum Motto des Kasseler Weltkindertages, der auf der Parkplatzfläche und dem Schulhof stattfand. Die Idee entwickelte sich - entsprechend der städtischen Vorgaben ("Regelung für projektorientierte Kinder- und Jugendbeteiligung") - zu einem "offiziellen" Kinderbeteiligungsprojekt. Das Kasseler Spielmobil "Rote Rübe" übernahm in Kooperation mit dem Kinderbüro der Stadt Kassel und der Schulleitung die Projektmoderation und führte gemeinsam mit vielen weiteren Partnern konkrete Aktionen vor Ort durch. Die Kinder erforschten die Spielmöglichkeiten in ihrem Stadtteil, entwickelten Ideen für eine neue Spielflläche, bauten Modelle und malten Bilder ihrer Wünsche. In enger Zusammen-arbeit mit der Schule wurde eine Zukunftwerkstatt mit einer 3. Klasse durchgeführt, in deren Verlauf zahlreiche und vielfältige Ideen entstanden. Die Kinder stellten Ihr Anliegen und ihre Modelle beim jährlichen Kasseler Kinder und Jugendforum im Jahr 1999 vor und baten die Politiker um Unterstützung und finanzielle Absicherung des Projektes, um die Ideen endlich gemeinsam umsetzen zu können. Nach zähem Ringen, unzähligen Diskussionen und intensiver Öffentlichkeitsarbeit wurde die Parkplatzfläche im April 2000 freigegeben. Die Stadt verzichtete auf die Einnahmen der kostenpflichtigen Stellplätze und der Bürgermeister übernahm die Patenschaft des Projektes. Alles "im grünen Bereich"? - noch lange nicht! Eine Planung liegt vor, die finanziellen Mittel zur Umsetzung jedoch bei weitem noch nicht. Kinder, Eltern und LehrerInnen der Schule haben bereits mehrer Arbeitstage auf dem Planungsgelände verbracht und den Fachkräten "unter die Arme gegriffen". Bisher erhielt die Fläche einen neuen Belag und mit wurde mit Baumstämmen umrandet. Sponsoren für erste, kleine Spielgeräte konnten gewonnen werden.
Literaturverzeichnis
Internet
|